Ambulantisierung komplexer Eingriffe: Warum die Reform jetzt gemeinsam gelingen muss
Fachdialog | 17. Juni 2026 | Berlin-Karlshorst
Das deutsche Gesundheitssystem steht an einem strukturellen Wendepunkt.
Die Krankenhausreform baut stationäre Kapazitäten ab — aber der Aufbau tragfähiger ambulanter Alternativen hinkt hinterher.
Diese Lücke ist kein theoretisches Problem: Sie betrifft Patienten, die heute auf komplexe interventionelle Eingriffe warten, die ambulant sicher und kosteneffizienter erbracht werden könnten.
Potenziale nutzen, Sektorengrenzen überwinden.
Die medizinischen Voraussetzungen sind vorhanden. Patienten, die eine Endosonographie mit Gewebeentnahme (EUS-FNA), eine endoskopische Submukosadissektion (ESD) oder eine interventionelle Koloskopie benötigen, können unter den richtigen Rahmenbedingungen hervorragend ambulant betreut werden. Das Problem liegt nicht in der Medizin — es liegt in den Strukturen. Der gesetzliche Rahmen aus AOP (§ 115b), ASV (§ 116b) und Hybrid-DRG (§ 115f) wurde geschaffen, um komplexe Eingriffe aus dem stationären in den ambulanten Sektor zu überführen.
In der Gastroenterologie entfaltet er seine Wirkung jedoch nur unzureichend: Zentrale Eingriffe fehlen im AOP-Katalog oder sind nicht kostendeckend vergütet. Der Hybrid-DRG-Katalog bildet das gastroenterologische Standardspektrum kaum ab. Vorhalteleistungen werden für niedergelassene Schwerpunktversorger nicht finanziert — obwohl sie vergleichbare Infrastrukturanforderungen erfüllen wie Kliniken.
Einblicke in die Praxis Karlshorst
In unserer Einrichtung setzen wir komplexe interventionelle Endoskopie bereits erfolgreich im ambulanten Setting um. Als Teil der ASV für gastrointestinale Tumoren und internationales CED-Studienzentrum nutzen wir moderne Abrechnungswege wie die Hybrid-DRG. Unser Leistungsspektrum umfasst EUS-FNA, kleinere ESD, FTRD, PEG-Anlagen, Ballondilatationen und Radiofrequenzablationen.
Diese Erfahrung zeigt: Ambulantisierung ist machbar — aber sie ist noch kein Selbstläufer. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit hängt von Rahmenbedingungen ab, die heute noch nicht ausreichend gegeben sind.
Impulse für eine zukunftsfähige Versorgung
Wir setzen auf vier konkrete Hebel: Erstens eine substanzielle Erweiterung des Hybrid-DRG-Katalogs um interventionelle gastroenterologische Eingriffe — auf Basis realer ambulanter Prozesskosten, nicht fortgeschriebener stationärer Daten.
Zweitens strukturell definierte intersektorale Behandlungspfade zwischen Schwerpunktpraxis und Kooperationsklinik — mit klarer Zuständigkeit beim Komplikationsmanagement.
Drittens eine qualitätsgebundene Versorgungsform analog zur ASV, die Mindestzahlen, Ergebnisqualität und Netzwerkpflicht strukturell verankert — und gleichzeitig eine ungebremste Mengenausweitung verhindert.
Viertens eine Angleichung der Strukturen für gesetzlich und privat Versicherte, damit moderne Verfahren für alle Patientengruppen gleichermaßen zugänglich sind.
Der Fachdialog am 17. Juni
Am 17. Juni 2026 öffnen wir unsere Praxis in Berlin-Karlshorst für geladene Gäste zu einem lösungsorientierten Fachdialog. Wir freuen uns auf den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Klinik und Praxis und hoffen auf rege Beteiligung durch Verantwortlichen der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen sowie Akteuren der Gesundheitspolitik. Die Veranstaltung beginnt um 16:00 Uhr mit einem Empfang.
Impulsvorträge:
1. Prof. Dr. Jürgen Hochberger, Charité Berlin
„Ambulante interventionelle Endoskopie — wo liegen die Grenzen?”
2. Dr. med. Susanna Scharrer, Gastroenterologie Berlin
„CED-Versorgung im Verbund: Patientenpfade zwischen Praxis, ASV und Forschung”
3. Dr. med. Thomas Brunk, Gastroenterologie Berlin
„Ambulante interventionelle Endoskopie — Strategien für eine erfolgreiche Sektorenreform in der Praxis”
Im Anschluss:
Offener Fachdialog über Hybrid-DRG und das Modell der vernetzten Schwerpunktpraxis.
Moderation: Prof. Dr. Andreas W. Berger, Chefarzt Innere Medizin & Gastroenterologie, Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, Berlin
Es geht nicht um theoretische Debatten — sondern um das direkte Gespräch darüber, wie die Patientenversorgung von morgen heute schon praktisch umgesetzt werden kann.
Dr. med. Thomas Brunk und Frau Susanna Scharrer, Fachärzte für Gastroenterologie